Die evangelische Schlosskirche Meersburg, die sich im Ostflügel des Neuen Schlosses befindet, erlebte eine wechselvolle Geschichte.
Ursprünglich im 16. Jahrhundert als Marstall geplant, ließ Bischof Damian Hugo von Schönborn Mitte des 18. Jahrhunderts das Gebäude zur Hauskapelle, mit direktem Zugang aus seinen Privatgemächern, umbauen.
Balthasar Neumann (bauliche Gestaltung), Josef Anton Feuchtmayer (Bildhauer und Stuckateur) und Gottfried Bernhard Goez (Maler) gestalteten den beeindruckenden Raum im Stil des Rokoko – heute überraschend für eine evangelische Kirche.
1854, als die erste evangelische Gemeinde in Meersburg entstand, wurde für regelmäßige Gottesdienste ein eigener Raum benötigt. Dieser wurde zunächst im Westflügel des Neuen Schlosses gefunden. Doch man liebäugelte schon damals mit der funktionslosen Schlosskirche.
1864 war es endlich soweit!
Anlässlich des Erntedankfestes, erklang die eigene Kirchenglocke und der erste evangelische Gottesdienst konnte in der Schlosskirche stattfinden. Seitdem steht diese der evangelischen Kirchengemeinde als Pfarrkirche zur Verfügung.
Das Land Baden-Württemberg ist, als Rechtsnachfolger des Großherzogtums Baden, in deren Besitz.
Betritt man die Kirche durch das Hauptportal fällt der Blick sofort auf den schmalen Apsis-Altar mit Kreuz und Christusfigur; darüber Gottvater und zuoberst der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Diese Darstellung der Trinität wird Gnadenstuhl genannt.
Rechts oben befindet sich eine Loge, von der aus die Fürstbischöfe, mit direktem Zugang aus dem Schloss, an den Gottesdiensten teilnahmen.
Die Loge links oben war als Kanzel gedacht, ist aber nicht mehr zugänglich.
Bei genauerer Betrachtung der Kirche fallen die 12 Medaillons auf, die die 12 Apostel darstellen. Eine genaue Beschreibung liegt in der Schlosskirche aus; so können sich Besucher genauer informieren.
Das einzige durch und durch evangelische Element in der Schlosskirche ist der Taufstein. Dieser wurde erst Ende des 20. Jahrhunderts eingebaut. Seine Schlichtheit ist gewollt; stellt er so den Kontrast zur Farbigkeit und dem Prunk des Rokoko dar.
1876 wurde die erste Orgel eingebaut, die 1950 erweitert und umgebaut wurde.
1978 entstand die heutige Weigle Orgel mit ihren 16 Registern und 3 Kuppeln - komplett aus eigenen Mitteln der Kirchengemeinde finanziert.Ihr besonderer Klang und die phantastische Akustik der Kirche erfreuen die Ohren der Besucher.
